Suchtprävention und Gesundheitsförderung

 

Prävention richtet das Augenmerk auf eine Gefahr oder eine Krankheit, die es abzuwenden gilt. Suchtprävention bedeutet: der Sucht zuvorkommen, die Sucht verhindern. Eine Sucht ist gekennzeichnet durch ein starkes, immer wieder auftretendes Verlangen. Eine Sucht ist eine zwanghafte Abhängigkeit eines Menschen von einer Substanz oder einem Verhalten. Sie beeinträchtigt in der Regel langfristig und dauerhaft seine Gesundheit. Daher ist die Suchtprävention ein Teil der Gesundheitsförderung; diese umfasst alle der Gesundheit dienlichen Massnahmen. Dabei verstehen wir unter Gesundheit ein umfassendes körperlich-seelisches Wohlbefinden.

 

 

Suchtursachen

 

Jede einmal erfahrene Lust drängt nach Wiederholung. Mit der Zeit kann ein mit Lustgefühlen gekoppeltes Verhaltensmuster eine derart grosse anziehende Wirkung entfalten, dass ein Zwang zur Wiederholung entsteht. Eine solche zwanghafte Abhängigkeit kann zur Zerstörung der eigenen Persönlichkeit und Existenz führen.

 

Suchttendenzen sind also in der menschlichen Natur angelegt. Ob sich beim einzelnen Menschen daraus eine Sucht entwickelt, hängt von seiner Persönlichkeit, seinem persönlichen Umfeld und den gesellschaftlichen Strukturen und Wertvorstellungen ab.

Beispielsweise gehören die Familie und der Arbeitsplatz zum persönlichen Umfeld eines Menschen.

 

 

Suchtgefährdung von Jugendlichen

 

Es ist nicht erstaunlich, dass die 12-18-Jährigen besonders suchtanfällig sind; denn die Heranwachsenden sind in diesem Alter besonders neugierig, risikobereit und beeinflussbar. Zudem haben sie in der Pubertät und Adoleszenz zahlreiche Aufgaben ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu bewältigen (z.B. die Ablösung von den Eltern), die sie stark belasten können.

 

Die Schule ist ein wichtiger Teil des persönlichen Umfeldes der Jugendlichen. Das Schulklima, die schulischen Strukturen, die Mitschülerinnen und Mitschüler, die Lehrerinnen und Lehrer, die Schulleitung und alle am Schulleben Beteiligten wirken auf die Heranwachsenden – suchthemmend oder suchtfördernd.

 

Die am Realgymnasium angestrebte Kultur von gegenseitiger Wertschätzung und Vertrauen kann Sucht verhindern helfen.

 

 

Ziele schulischer Suchtprävention und Gesundheitsförderung

 

Die Schülerinnen und Schüler sollen eine gesunde Lebensweise entwickeln und fähig sein, zu ihrer und anderer Gesundheit Sorge zu tragen.

 

Es soll verhindert werden, dass die Jugendlichen – während ihrer Schulzeit und auch danach – einer schädlichen Sucht verfallen.

 

Die Aktivitäten des Realgymnasiums im Bereich der Gesundheitsförderung richten sich hauptsächlich auf die Schülerschaft, aber auch auf die Lehrerschaft und die Mitarbeitenden. Alle am Schulleben Beteiligten sollen in einer gesunden Lebensweise unterstützt, ihnen allen soll ein höheres Mass an Selbstbestimmung über die eigene Gesundheit ermöglicht werden.

 

 

Schutzfaktoren

 

Die folgenden persönlichen Ressourcen können vor Sucht schützen:

 

Selbstachtung, Selbstvertrauen. Selbstachtung ist das Gefühl für den eigenen Wert. Wenn bei einem Menschen Worte und Taten übereinstimmen, steigt seine Selbstachtung.  Selbstvertrauen ist das Empfinden für die eigenen Fähigkeiten. Stärken erkennen und weiterentwickeln, mit Schwächen umgehen lernen: so wird das Selbstvertrauen vergrössert. Das fördert die Überzeugung, dass das Kommende bewältigt und beeinflusst werden kann. Eine vielseitige Bildung stärkt das Selbstwertgefühl und gibt Zuversicht.

 

Lebenssinn. Dem Leben lässt sich Sinn geben durch Eröffnen von Perspektiven; durch Vorhaben, die Engagement und persönlichen Einsatz rechtfertigen; durch Ziele, für die es sich zu leben lohnt. Ein realistischer Optimismus hilft, Ziele auch bei Schwierigkeiten und Rückschlägen weiter zu verfolgen. Ab und zu innehalten und das Leben geniessen, das bringt Lebensfreude.

 

Entspannung. Angst, Wut, Ärger und Stress lassen sich durch körperlich-seelische Entspannung abbauen. Beispielsweise helfen Musizieren und Sport-Treiben, sich zu entspannen und Sorgen zu vertreiben. Dies kann auch mit Hilfe eines Entspannungsverfahrens erreicht werden. Mehr Ruhe und Gelassenheit führen dazu, mit Situationen umgehen zu können, denen man sich anfangs nicht gewachsen fühlte.

 

Kommunikationsfähigkeit. Ein befriedigendes Zusammenleben basiert auf der Fähigkeit, die zwischenmenschliche Kommunikation konstruktiv und kooperativ zu gestalten. Dazu gehören insbesondere das aktive Zuhören, das Ausdrücken der eigenen Empfindungen und Meinungen sowie das Formulieren von Wünschen und Forderungen, ohne seine Mitmenschen zu verletzen. Diese Fähigkeiten tragen auch zum konstruktiven Lösen von Konflikten bei.

 

Widerstandsfähigkeit gegen Gruppendruck. Glücksgefühle, die mit dem Erlebnis von Zugehörigkeit und Einigkeit mit der Gruppe verbunden sind, bestimmen das Verhalten und den Suchtmittelkonsum in hohem Masse. Mut und ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl sind nötig, um sich – in gewissen Situationen – diesen Gruppengefühlen zu widersetzen.

 

Soziales Netz. Projekte, die zusammen ausgearbeitet und realisiert werden, stärken Verbundenheit und Solidarität mit Kameradinnen und Kameraden. Durch gemeinsame Erlebnisse entstehen Freundschaften, die Geborgenheit und Anerkennung gewährleisten.

 

Ein Hobby hilft mit, dem Leben einen Sinn zu geben. Bei der gemeinsamen Pflege von Hobbys wird Partnerschaft erfahren, und es können Freundschaften entstehen.

 

 

Suchtprävention am RG

 

Das Realgymnasium realisiert die Suchtprävention und Gesundheitsförderung auf drei Ebenen:

 

Strukturen verändern. Es wurden und werden schulische Strukturen errichtet, welche die persönliche Entwicklung fördern und das Wohlbefinden erhöhen und damit vor Sucht schützen. Beispielsweise:

-          Mitwirkung der Schülerinnen und Schüler an den Gesamtkonventen und in Kommissionen

-          Klassenlehrerstunde bzw. Sternstunde für alle Klassen

-          RG-Wochen zweimal jährlich (Projektwochen gleichzeitig für alle Klassen)

-          Skilager und Sporttage

-          Vielfältiges Angebot an Musik-, Tanz- und Sportkursen

 

Schutzfaktoren stärken. Die Lehrerinnen und Lehrer, die Schulleitung und alle am Schulleben Beteiligten wollen die gesundheitsfördernden Ressourcen der Jugendlichen (siehe „Schutzfaktoren“) im Alltag stärken. Es ist erstrebenswert, dass Schule und Elternhaus eine einheitliche Haltung im Suchtbereich vertreten. Zu diesem Zweck findet im Frühlingssemester in der 1. und in der 2. Klasse je ein Elternabend statt – klassenübergreifend mit klassenspezifischem Teil.

 

Informieren. Die Schülerinnen und Schüler des Realgymnasiums werden zu gesundheitsfördernden Einstellungen und Verhaltensweisen motiviert, indem sie objektiv und altersgerecht informiert werden. Damit wird schrittweise ihre Eigenverantwortung gestärkt.

 

-          In Klassenlehrerstunden in der 1. Klasse durch eine Sportlehrerin, die mit den Jugendlichen erarbeitet, was vollwertige Ernährung ist und was sie bewirkt.

-          Am Präventionstag in der 1. Klasse in der RG-Woche durch eine Biologie-Lehrkraft, die eindrücklich die Folgen des Konsums von Alkohol, Tabak- und Cannabis-Produkten aufzeigt.

-          Am Suchtpräventionshalbtag Ende 1. Klasse durch die Mitglieder des schulinternen Teams für Suchtprävention und Gesundheitsförderung unterstützt durch eine externe Fachperson; dabei wird über Sucht, Suchtentstehung, Suchtursachen orientiert und diskutiert.

-          Am Präventionshalbtag in der 2. Klasse durch externe Fachleute, die in geschlechtergetrennten Gruppen gesundheitsfördernde Einstellungen zur Verhinderung von Essstörungen bzw. Gewalt erarbeiten.

-          Am Klassenhalbtag in der 3. Klasse durch externe Fachpersonen, die Lust und Frust im Umgang miteinander thematisieren; insbesondere wird über HIV/Aids gesprochen.

 

 

Team für Suchtprävention und Gesundheitsförderung

 

Der Antrieb der Suchtprävention am Realgymnasium ist das Team für Suchtprävention und Gesundheitsförderung. Das Team initiiert und koordiniert die schulischen Bestrebungen in diesem Bereich. Es besteht aus einem Vertreter der Schulleitung (Prorektor Dr. B. Bürgisser), fünf Vertreter der Lehrerschaft (Frau K. Frei (Präsidentin des Teams), Frau S. Beglinger, Frau B. Bötschi, Frau S. Diggelmann, Frau M. Mach, Frau Ch. Terzig), zwei Vertreter der Schülerschaft (Richard Allemann, Diana Mazuela), zwei Vertreter der Eltern (Frau I. Lammer, Herr M. Mazzotti), der Schulärztin (Frau Dr. E. Bandi) sowie der zuständigen Fachperson von der Suchtpräventionsstelle der Stadt Zürich (Herr U. Rohr). Dank dieser breiten Abstützung kann das Team fundierte und mehrheitsfähige Projekte ausarbeiten.

 

 

Beratung

 

Wir sind uns bewusst, dass trotz unseren Bestrebungen Suchtprobleme bei Schülerinnen und Schülern auftreten können. Um akut krankheits- oder suchtgefährdeten Jugendlichen zu helfen, existieren am Realgymnasium zwei spezielle Angebote: Die Schülerberatung durch eine Lehrerin und einen Lehrer (Frau U. Alborghetti, Herr J. Fröhlich) und die medizinische Beratung durch die Schulärztin (Frau Dr. E. Bandi), je mit einer wöchentlichen Sprechstunde über Mittag im Schulhaus. Diese Angebote sind in unserer Broschüre „Beratung für Schülerinnen und Schüler“ näher beschrieben.